Im Rahmen des Global Burden of Disease (GBD) Projekts, geleitet vom IHME an der University of Washington, wurde geschätzt, dass Passivrauch im Jahr 2023 weltweit 1,66 Millionen Todesfälle verursacht hat. Diese Zahl wurde in einer Studie veröffentlicht, die im September 2026 in der Fachzeitschrift The Lancet Public Health erschien und von über 1.000 Forschern durchgeführt wurde.
Methodik der Berechnung
Die Forscher schätzten zunächst die Anzahl der Menschen, die Passivrauch ausgesetzt waren: weltweit 2,71 Milliarden, darunter 767 Millionen Kinder. Diese Schätzung beruht auf verschiedenen Faktoren und wurde mit epidemiologischen Methoden verknüpft. Zur Berechnung der zurechenbaren Todesfälle wurde die sogenannte Population Attributable Fraction (PAF) verwendet. Diese ergibt sich aus der Kombination von relativen Risiken (RR) für Krankheiten wie Herzkrankheiten, Schlaganfall und Lungenkrebs mit der Prävalenz der Exposition (P).
Die PAF wurde dann auf die bereits vom GBD-Programm geschätzte Gesamtzahl der Todesfälle pro Krankheit angewendet, um die Anzahl der auf Passivrauch zurückzuführenden Todesfälle zu ermitteln. Dieser Prozess wurde für jede Krankheit, jedes der 204 untersuchten Länder, sowie nach Alter und Geschlecht durchgeführt und anschließend summiert.
Unsicherheitsbereich und Interpretation
Die Studie gibt einen Bayesianischen Unsicherheitsbereich (UI) an: 1,66 Millionen (95% UI 1,33–2,07). Das bedeutet, dass mit 95% Wahrscheinlichkeit die tatsächliche Zahl der Todesfälle zwischen 1,33 und 2,07 Millionen liegt. Im Gegensatz zu klassischen Konfidenzintervallen ist dieser Bereich leichter interpretierbar: Er beschreibt direkt die Wahrscheinlichkeit, dass der wahre Wert im angegebenen Bereich liegt.
Methodische Einschränkungen
Die Studie hat mehrere Limitationen. So wurde ein „alles-oder-nichts“-Modell verwendet: Personen wurden entweder als exponiert oder nicht exponiert eingestuft, ohne Berücksichtigung der Intensität oder Dauer der Exposition. Auch öffentliche Orte wie Bars oder Restaurants, in denen in einigen Ländern noch geraucht wird, wurden nicht berücksichtigt. Die Exposition wurde nur im häuslichen und beruflichen Umfeld erfasst.
Zudem wurden die Expositionswerte des Jahres 2023 direkt mit den Sterberaten desselben Jahres verknüpft. Dies ist problematisch, da einige Krankheiten wie Lungenkrebs Jahrzehnte nach der Exposition auftreten können. Die Studie ordnet daher die aktuelle Krankheitslast der aktuellen Exposition zu, obwohl sie teilweise auf früheren Expositionen beruhen könnte.
Veränderungen in der Methodik
Die Methodik des GBD-Programms ändert sich bei jeder neuen Ausgabe, was eine direkte Vergleichbarkeit mit früheren Jahren unmöglich macht. Zudem ist dies die erste Studie, die Passivrauch als eigenständigen Risikofaktor untersucht, sodass Vergleiche mit früheren Jahren ohnehin nicht möglich sind.
Quellen:
www.vapingpost.com, 2026-09-18
The Lancet - Public Health
Bildnachweis Titelbild: KI-generierte symbolische Illustration – keine Originalaufnahme
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